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Gesunde Bindung von Anfang an – Interview mit Arabella Strassner, Sozialpädagogin & Bindungsanalytikerin

Bindungsanalytikerin und Sozialpädagogin Arabella Strassner

Gesunde Bindung von Anfang an – Interview mit Arabella Strassner, Sozialpädagogin & Bindungsanalytikerin

Dass sie tiefgründig mit Menschen arbeiten möchte, war für Arabella Strassner schon klar, als sie 2014 in Wien mit der psychotherapeutischen Ausbildung begonnen hat. Durch ihre eigene Schwangerschaft ist ihr bewusst geworden, wie wichtig eine gesunde Bindung zwischen Mutter und Kind und innerhalb der Familie als Ganzes ist – und zwar von Anfang an, also bereits vorgeburtlich.

 

Heute arbeitet Arabella als Sozialpädagogin und Bindungsanalytikerin vorwiegend mit Schwangeren und Babys, aber auch mit werdenden Eltern und Paaren mit Kinderwunsch.

 

Im Gespräch erzählt sie über durchaus schmerzhafte Selbsterfahrungen, wie sie ihren Weg gefunden hat, warum sie viersprachig (!) arbeitet und sich außerdem entschlossen hat, ihr Angebot auch für blinde und sehbehinderte Frauen erlebbar zu machen.

 

 

Warum ist dir das Thema vorgeburtliche Bindung so wichtig, wie kam es dazu?

 

Ich habe während meiner Ausbildung und meiner eigenen Schwangerschaft gemerkt, wie wichtig dieser Fokus auf das Baby, die Mama, die Familie als Ganzes ist, und dass hier ein großer Fehler im System ist, weil diese Beziehung viel zu selten wertgeschätzt wird. Deshalb bin ich aktiv geworden und habe mich beruflich weitergebildet. Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich ziemlich viel Selbsterfahrung erlebt und erlebe das weiterhin. Es gehört einfach dazu, dass ich mich selbst gut kenne und meine Erfahrungen gut integriert habe.

 

 

Hier kannst du Arabella im kurzen Wordrap erleben:

Kannst du auf diese Selbsterfahrung bitte ein bisschen näher eingehen – wie kann ich mir das vorstellen?

 

Ich selber bin ja auch im Bauch meiner Mama groß geworden und habe als Erwachsene herausgefunden, dass in der 16. Schwangerschaftswoche eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt worden war. Ja, ich hab sie überlebt. Aber das bedeutet für mich im Nachhinein nochmal alles nachzuspüren, auch welche Bedrohungen und Ängste damals um mich herum waren. Das hat mich schon sehr geprägt würde ich sagen.

 

Meine Geburt war vergleichsweise einfach, ohne medikamentöse Interventionen. Aber ich hatte eine Zyste am Auge, die wegoperiert wurde. Das hat für mich bedeutet, dass ich die ersten Lebenswochen im Krankenhaus verbracht habe. Das hat mich sehr stark geprägt und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich und meine Mutter sehr bindungsorientiert begleitet und unterstützt wurden. Das war eher mit Angst und Sorge verbunden und deshalb mache ich das, was ich mache. Weil ich weiß, dass es auch anders geht.

Wir sind alle geboren worden und es ist schlicht und ergreifend nicht egal, WIE.

Gab es denn einen speziellen Grund, warum deine Mama eine Fruchtwasseruntersuchung hat machen lassen?

 

Der ausschlaggebende Grund war mit Sicherheit – so steht es in der Dokumentation –, dass meine Eltern altersmäßig sehr weit auseinanderliegen.

 

Das heißt, man dachte, es könnte Trisomie 21 vorliegen oder man hat befürchtet, du könntest nicht gesund sein?

 

Das ist eine sehr gute Frage. Als ich meine Mutter danach gefragt habe, hat sie gesagt: »Das hat man damals so gemacht.« Ihr wurde zur Amniozentese geraten.

Das ist genau der Punkt, wo ich in meiner Arbeit mit Schwangeren einhake: Wir machen heute nämlich noch viel mehr, weil man es machen KANN. Da in die Eigenverantwortung zu gehen und zu sagen: Der Arzt / die Ärztin bietet das an und es wird sogar von der Kasse übernommen. Aber muss ich das wirklich tun? Tu ich damit meinem Baby und mir selber was Gutes? Und wenn ich Ergebnis XY habe – was mache ich dann überhaupt damit?

 

Du meinst, schon bevor man sich zu einer Untersuchung entschließt, sollte man sich darüber im Klaren sein, wie man mit dem Ergebnis umgeht?

 

Genau. Weil wenn ich eh weiß, ich würde mein Kind niemals aufgrund irgendeiner Diagnose abtreiben, dann muss ich ja gar nicht erst diese ganze Prozedur über mich und mein Kind ergehen lassen. Deswegen ist mir die Eigenverantwortung, dieses reflektierte Fühlen und Bewusstsein ganz wichtig in meiner Arbeit. Ich begleite die Frauen bei egal welcher Entscheidung.

Mein Auftrag ist, die Frau auf ihrem Weg zu begleiten – egal, wie sie sich entscheidet.

Ich würde gerne nochmal auf die Fruchtwasseruntersuchung zurückkommen: Wusstest du das immer schon oder bist du im Zuge deiner Ausbildung draufgekommen und wenn ja, wie? Mittels Hypnose? Oder hast du bei deiner Mama nachgefragt?

 

Während der Ausbildung machen wir viel Selbsterfahrung. Dabei gehen wir immer in den pränatalen Raum. Wir haben ja alles, was wir erlebt haben, in unserem Körper gespeichert. Bei einer dieser Selbsterfahrungen habe ich dieses konkrete Ereignis gefühlt und daraufhin meine Mama gefragt: »Sag mal, was war denn da?« Mit ihrer Antwort hat sie mein Erleben dann bestätigt.

 

Wie kann ich mir diese Selbsterfahrung, von der du erzählst, konkret vorstellen? Geschieht das unter Hypnose? Ist das eine Meditation? Oder mittels energetischer Arbeit?

 

Es gibt unterschiedliche Settings, die klassischen sind 1:1 oder in der Gruppe. Die Selbsterfahrung geht über den Körper. In der Regression sitzen wir einander nicht face to face gegenüber, sondern machen es uns bequem. In der Praxis haben wir zum Beispiel unterschiedliches Material, mit dem wir uns eine Höhle bauen können. Wir bauen uns das so, wie es sich für uns stimmig anfühlt. Die Höhle symbolisiert den Uterus. Und dann werden wir in die Entspannung geleitet, eine Regression, bei der wir so tief entspannen, dass wir in den Mutterraum, also den pränatalen Raum, nachfühlen. Meditation ist nochmal was anderes.

 

Okay, danke Arabella, jetzt hab ich eine ungefähre Vorstellung …

 

Das sind lange Prozesse, das macht man nicht in zehn Minuten. Es ist so interessant, auch wie der Körper reagiert. Denn wenn ich aus der Regression wieder aufwache, hab ich manche Sachen ganz bewusst und bei manchen weiß ich: Boah, ich bin eingeschlafen, weil mein Körper da einfach runterfahren musste. Wirklich super spannende Prozesse – das macht man nicht mal so nebenbei im Alltag während der Mittagspause, sondern das ist wirklich ein sehr intensiver Raum.

Arabella Strassner ist Bindungsanalytikerin und Sozialpädagogin

Viele können mit meinem Beruf nichts anfangen. Die sagen: Kinder nach der Geburt fangen ja erst mal an, zu fühlen. Die können sich an nichts erinnern. Das ist nicht wahr!

Du arbeitest hauptsächlich mit … ich fasse es so zusammen: Menschen rund um die Geburt. Man kann sich aber auch noch Jahrzehnte später aussöhnen, wenn man, so wie du, ein traumatisches Erlebnis hatte. Begleitest du auch bei solchen Prozessen?

 

Ja, da kommt mir meine Ausbildung der prä- und perinatalen (Spiel)Therapie zugute. Das Spiel hat zwar mehr den Fokus auf Kinder. Aber wenn ich mit Erwachsenen arbeite, egal ob sie selber Eltern sind, einen Kinderwunsch haben oder einfach »nur« geboren worden sind – jeder kann für sich das aufarbeiten, was im Mutterleib, in der ersten Zeit des Lebens passiert ist. Es gibt ja unterschiedlichste Bedingungen wie beispielsweise Adoption oder unter Gewalt gezeugt. Und das arbeiten wir auch auf, weil die Beziehungserfahrungen, die wir am Anfang des Lebens machen, prägen uns für unsere weiteren Beziehungserfahrungen. Deshalb ist es für jeden Menschen eine wertvolle Arbeit.

Die Beziehungserfahrungen, die wir am Anfang unseres Lebens machen, prägen uns für alle weiteren Beziehungserfahrungen im Leben.

Du arbeitest viersprachig: Deutsch ist deine Muttersprache, Englisch lernen wir in der Schule – wie kam es dazu, dass du deine Arbeit auch noch in Französisch und Italienisch anbietest?

 

Das ist ganz einfach: Meine Mama kommt aus Italien, mein Papa aus Deutschland. Mit meinen italienischen Großeltern hab ich natürlich nur Italienisch gesprochen, weil die kein Deutsch konnten. Und dann bin ich netterweise hier in Saarbrücken an der deutsch-französischen Grenze aufgewachsen – Frankreich ist sozusagen meine dritte Heimat. Im ersten Studium nach dem Abi bin ich nach Germersheim gegangen, da ist ein Fachbereich für Übersetzung und Dolmetscher. Danach hab ich in Paris studiert. So kommt es zu meinen vier Sprachen – das bin ich.

 

Das ist ein cooles Alleinstellungsmerkmal! Darüber hinaus ist es dir wichtig, dein Angebot auch blinden und sehbehinderten Frauen zugänglich zu machen. Was hat das für einen Hintergrund?

 

Bei meinem Studium in Germersheim war ich ehrenamtlich engagiert, auch im Asta (Allgemeiner Studierenden-Ausschuss). Eines Nachmittags saß ich auf dem kleinen Campus – ich liebe die Atmosphäre dort, das war immer so familiär und jeder kannte jeden. Ich saß also da und Philip, ein Kollege aus dem Asta, ging mit Federico über den Campus. Federico kam als Erasmusstudent aus Italien gerade in Germersheim an und hatte seinen Blindenhund dabei …

 

Da wird sich die Italienerin in dir gleich angesprochen gefühlt haben, oder?

 

Genau, wir haben uns direkt angefreundet, das hat super gepasst. Federico ist in meinem Alter und ein ganz motivierter, lebensfroher Mensch. Durch ihn habe ich so viel gelernt, was sensorische Barrierefreiheit angeht. Wir haben uns auch im Studium mit Untertitelung und Eyetracker für Gehörlose beschäftigt, aber das war so wissenschaftlich und nicht so greifbar. Durch Federico habe ich dann nochmal Zugang zur Audiodeskription und zu sensorischer Barrierefreiheit bekommen und bin da ganz klar geprägt worden. In Paris im Blindenverein habe ich dann selber Blinde geführt, das war total spannend.

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Dass dein Angebot auch für blinde und sehbehinderte Frauen erlebbar ist – du hast z. B. deine Karten mit Brailleschrift versehen –, ist also deiner Freundschaft mit Federico zu verdanken?

 

Ja, auf jeden Fall. Der Zugang, den ich durch Federico gewinnen konnte, hat mich sehr geprägt. Wir sind auch verreist, waren im Theater, in der Oper. Wir haben eine gute Zeit miteinander verbracht. Das war für uns beide einerseits so normal und gleichzeitig so wertvoll.

 

Ich finde das sehr spannend und berührend. Und: Damit hast du einen weiteren USP …

 

Das merke ich selber gar nicht, weil ich bin einfach ich, für mich ist das normal.

 

Arabella, gibt es noch etwas, das dir wichtig ist und du den Lesern mitgeben möchtest?

 

Mir ist wichtig, dass wir den Fokus nicht nur auf die Babys und die Mamas legen, sondern dass diese Arbeit auch ganz besonders für Männer heilsam ist. Auch Männer waren im Bauch ihrer Mama, sind an der Seite ihrer Partnerin, sind werdende Papas. Männer dürfen sich trauen, dort hinzuschauen – sie profitieren umheimlich davon.

 

Das ist ein wichtiger Appell am Schluss – vielen Dank für das Gespräch Arabella!

 

Sehr gerne, es hat mir viel Freude gemacht!

Auf Arabellas Website www.arabellastrassner.de findest du detaillierte Infos zu ihren Angeboten. Du kannst Arabella auch gerne auf Instagram folgen.

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